Montag, 27. Februar 2012

Harald Welzer

20:00 Uhr (Einlass 20:00 Uhr), Alte Feuerwache Mannheim, Brückenstrasse 2, 68167 Mannheim

Der Soziologe Norbert Elias hat in seinen Studien über die Deutschen den bemerkenswerten Gedanken entwickelt, dass Gesellschaften dazu neigen, jenes Selbstbild zu konservieren, das sie in ihrer besten Zeit entwickelt haben, aber den Problemen Staatsverschuldung, Klimawandel, Ressourcenmangel und Bevölkerungszuwachs lässt sich nicht mit business as usual beikommen. Geschichten, aus denen sich Motive, Hoffnungen, Wünsche und Interessen ableiten ließen, haben als Bezugspunkt immer die Zukunft – die Zeit, in die hinein man sich entwirft. Erst aus diesem Entwurf lassen sich Pläne machen, Vorstellungen entwickeln, Handlungen vollziehen. Die grammatische Form dafür ist das Futur II. Es erlaubt uns ein Gedankenspiel: Wie sollen wir vor unseren Enkeln bestehen, wenn später einmal die Geschichte unserer Gegenwart erzählt wird? Werden sie uns als Menschen in Erinnerung behalten, die den Mut und die Einsicht für die notwendige Veränderung der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft hatten? Oder als einen Haufen ignoranter Egoisten, die um jeden Preis in der Komfortzone einer zukunftsvergessenen Gegenwart weiterdösen wollten, in der Hoffnung, dass es wenigstens für die eigene Lebenszeit reicht? 

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Harald Welzer (27. Februar 2012 Alte Feuerwache Mannheim)