Wilhelm Genazino liest. Thomas Gross moderiert
20:00 Uhr (Einlass 19:00 Uhr), Alte FeuerwacheWilhelm Genazino wusste früh, dass er Schriftsteller werden wollte und er sehnte sich nach einer anderen Existenzweise: „Träumerisch“ sei ihm das Leben der Schriftsteller immer vorgekommen, hat Wilhelm Genazino einmal in einem Interview erzählt. Die Beschäftigung mit Literatur barg nämlich das Versprechen, „über das Leben eine gewisse Souveränität zu bekommen durch den Ausdruck desselben.“ Seine Texte lieben die Verschwiegenheit, seine Figuren das Verborgene. Sie betrachten die Welt im Detail und leiden zugleich darunter, dass sie die entstehende Ferne zu den Dingen nicht recht überwinden können. Es sind heitere Melancholiker und optimistische Apokalyptiker. Seine Helden teilen das gesellschaftliche Bewusstsein, gerade weil sie sich als Individuen verstehen wollen. So protokolliert Genazino ganz unter der Hand auch noch einen sozialen Zustand: die Allgegenwart der Massenmedien, das Gefühl von Bedrohung, den Verlust von authentischen Erfahrungen. Seine Romane und Essays erzeugen eine schwebende Balance zwischen unaufdringlicher Komik und sehnsuchtsvoller Schwere.
Wilhelm Genazino ist bei lesen.hören mit Unveröffentlichtem zu Gast – und mit seiner ganzen Literatur.

