18.02.-06.03.2010

Das war lesen.hören 5

17 TAGE LITERATURFEST IN MANNHEIM

„Nachdem der deutsche Mondflug kürzlich abgesagt wurde, entscheide ich mich mit dem Ballon zu reisen. Andererseits sind Luftschiffe bekanntlich aus der Mode gekommen, daher begebe ich mich auf die Suche nach anderen Fortbewegungsmitteln, um einen anheimelnden Flug für meine Erholungsreise zu finden. Die ökonomischen und ökologischen Kosten bedenkend, entscheide ich mich letztendlich für eine innere Reise mit dem Vehikel Literatur.“

So lauten die (Vor-) Worte von Festivalleiter Siegfried Dittler, mit denen er das Publikum in die fünfte Auflage des Mannheimer Literaturfests „lesen.hören“ entlässt - einem 17 Tage andauernden Höhenflug, der dem Besucher eine vielversprechende Reise quer durch alle Sphären deutscher Gegenwartsliteratur ermöglicht.   

Das Programm

Georg-Büchner Preisträger Durs Grünbein verlieh dem Eröffnungsabend mittels gehaltvoller Lyrik über die ewige Stadt einen außergewöhnlichen und stimmungsvollen Charakter, den auch die krankheitsbedingte Abwesenheit von Schirmherr Roger Willemsen nicht zu trüben vermochte. Die Schriftstellerjuristen Juli Zeh und Georg M. Oswald diskutierten am Folgeabend „Literatur versus Recht“, Lars Brandt las aus bislang unveröffentlichten Erzählungen, Volker Weidermann gestaltete einen unterhaltsamen wie informativen Max Frisch-Abend, Lisa-Marie Dickreiter überraschte das Publikum mit einer unerwartet fröhlichen und persönlicher Lesung ihres Debütromans „Vom Atmen unter Wasser“, die niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor bescherte uns einen hochkarätigen Abend mit Ihrem neusten Roman „Der Maler und das Mädchen“, Schauspieler Robert Stadlober bot eine bemerkenswerte szenische Lesung der Tagebücher Mihail Sebastians dar, Gregor Eisenhauer amüsierte die Besucher im Café Prag mit einer satirischen Analyse diverser Leser-Typologien, Eva Gritzmann und Denis Scheck stellten ihren neuen Roman „Sie & Er. Der kleine Unterscheid beim Essen und Trinken“ vor, Silke Scheuermann entführte die Besucher mit ihrem im Feuilleton viel besprochenen Roman „Shanghai Performance“ in die schillernde Welt der Kunst, Elke Schmitter und Verena Auffermann durchwanderten feierlich den weiblichen Kanon der Literaturgeschichte, Eva Menasse gestaltete einen köstlich-charmanten und Freudentränen-reichen Soloabend. Am Folgeabend gelang es ihr zusammen mit dem einzigartigen Harry Rowohlt auf unverwechselbare Weise, das Publikum zum „Bechertum“ zu bekehren, Thomas Steinfeld und Rüdiger Safranski sprachen aufschlussreich über den „Sprachverführer“, Thomas Blisniewski sprach in der Kunsthalle zum Thema „Frauen und Kunst“ und schließlich sorgte Wladimir Kaminer mit Lesung und anschließender Russendisko für einen furiosen Abschlussabend.

Die Autoren waren allesamt beeindruckt vom Gesamtprogramm von „lesen.hören 5“, waren angetan von der stimmungsvollen Atmosphäre in der Alten Feuerwache und begeistert vom Mannheimer Publikum.

Die Alte Feuerwache bot mit dem für „lesen.hören 5“ sorgfältig ausgewählten Literaturprogramm und der dargeboten Vielfalt einmal mehr die Möglichkeit, „ Auszeiten zu nehmen, Entschleunigung zu erfahren, Anregungen und Aufregungen zu bekommen: Lesen.Hören und Sehen“, wie es Geschäftsführer Siegfried Dittler im Vorfeld versprach. Mit „lesen.hören“ ist eine Plattform für die gesamte Bandbreite zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur entstanden, die Literaturinteressierte zusammen­bringt und einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt Mannheim leistet.

Literatur für Kinder und Jugendliche 

In diesem Jahr fand vom 18. Februar bis 4. März mit 17 Veranstaltungen das bisher umfangreichste Literaturprogramm für Kinder und Jugendliche, welches im Rahmen von „lesen.hören“ nun bereits zum dritten Mal angeboten wurde, statt. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kinder- und Jugendliteratur der Stadtbibliothek Mannheim konnte ein sowohl kindgerechtes also auch für Jugendliche attraktives Programm auf die Beine gestellt und einige der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautoren nach Mannheim einladen werden. Neben „klassischen“ Lesungen von und mit THiLO, Alexander Steffensmeier, Jochen Till, Eva Muszynski und Karsten Teich, Katja Brandis und Hans-Peter Ziemek, Mathias Jeschke, Manfred Theisen, Jens Reinländer, Derek Meister, Nina Blazon und der Mannheimer Feuergriffel-Stipendiatin Antje Wagner, konnten die Kinder und Jugendlichen an der von Tobias Elsässer organisierten Schreibwerkstatt teilnehmen, bei Magic Andys „verrücktem Chemielabor“ in der Räumen der Uni Mannheim experimentieren und beim sonntagmorgendlichen Kinderkonzert von Liedermacher Fredrik Vahle mitsingen und –tanzen. Zwei Drittel der Lesungen war ausverkauft, was das große Interesse seitens der Kinder, Jugendlichen, Eltern und Schulen widerspiegelt. Den Höhepunkt bildete dabei das Konzert von Fredrick Vahle, bei dem wir knapp 450 begeisterte Kinder und deren Eltern begrüßen durften.

Dank

Wir freuen uns über ein so treues, begeisterungsfähiges und offenes Publikum, das mit großer Aufmerksamkeit, Konzentration und regem Interesse an den Lesungen teilnahm. Wir danken allen Besuchern von „lesen.hören“ einmal mehr für die von Grund auf positive Resonanz. Ein besonderer Dank gilt ebenso der Presse, die uns ausdauernd begleitet und großartig unterstützt hat.

Außerdem möchten wir uns bei unseren Partnern aus der Wirtschaft, wie SIGNUM communication und dem Dorint Kongreß Hotel, und für die Unterstützung aus der öffentlichen Hand, der Stadt Mannheim und dem Land Baden-Württemberg, sowie wie dem Sauerländer Verlag, der GBG-Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft, Bücher Bender, dem Café Prag und Freisberg Wohnbedarf bedanken.

Wir, die Alte Feuerwache, haben viele Ideen und Pläne für das nächste Literaturfest! Seien Sie gespannt,  wohin uns die literarische Reise führen wird und freuen Sie sich mit uns auf den Februar 2012 und „lesen.hören 6“.